Impressum
Satzung
EUROTÜRK
Der EUROTÜRK Vorstand
Satzung
EUROTÜRK INTERNATIONAL STUDENTCLUB
=> EIS

AZ-INTERVIEW MIT Reiner Bertrand

F: Wo sind auf beiden Seiten Berührungsängste spürbar?

Bertrand: Ein Beispiel ist der Sport für Frauen: Muslimische Frauen tun sich schwer, sich im Badeanzug oder im Sportdress in einem deutschen Sportverein zu zeigen. Deshalb haben wir Sportangebote von Musliminnen für Musliminnen eingerichtet, die auch für deutsche Frauen geöffnet sind. Einige Frauen haben den Übungsleiterschein gemacht, und jetzt treiben 250 Frauen regelmäßig Sport. Dabei verändert sich auch etwas in den Köpfen: Anfangs haben wir für ein Schwimmbad noch einen Vorhang genäht, weil man durch eine Glastür hätte in den Übungsraum schauen können. Irgendwann ging der aber kaputt, und es hat niemanden mehr gestört, jetzt brauchen wir keinen mehr. Ein anderes Beispiel ist eine Mitarbeiterin unseres Vereins, die eine hervorragende Abla wäre, modern und weltoffen. Allerdings hat sie aus privaten Gründen ein Gelübde abgelegt, das Kopftuch zu tragen, und deshalb kommt sie in die deutschen Kindergärten nicht hinein. Das ist die Unsicherheit der deutschen Seite, weil man nicht beurteilen kann, was sich ideologisch hinter dem Kopftuch verbirgt. Um solche Barrieren abzubauen, finde ich auch richtig, was Minister Laschet fordert, nämlich Islamunterricht in deutscher Sprache abzuhalten. Religionsunterricht ist für jeden Glauben wichtig; die Kunst besteht nur darin, die Richtungen miteinander zu verzahnen und Verständnis zu wecken.

 

F: Wie können Menschen verschiedener Kulturen aufeinander zugehen?

Bertrand: Feiern und Sport, das ist immer eine schöne Sache. Ein gutes Beispiel ist das Multikulti-Fest am letzten Wochenende: Man muss zwar die deutsche Planungsmentalität ablegen, weil man nie genau weiß, wer wirklich kommt – das ist spannend bis zum Schluss. Aber es war so ein Andrang vor der Bühne, es ist da so viel Miteinander entstanden, dass selbst Gruppen, die vorher nicht nebeneinander stehen wollten, am Ende Freundschaft geschlossen haben. Deshalb ist für mich dieses Fest ganz besonders gut gelungen. Ich erschauere jetzt noch, wenn ich an die Kraft denke, die die Darbietung einzelner Gruppen hatte, das war eine phantastische Stimmung.

 

F Aber wie gelangt man von einem eintägigen Fest zu einem gelungenen alltäglichen Miteinander?

Bertrand: Man sagt immer, es müssen alle zusammen sein, dann ist das Multikulti. Aber das ist es für mich nicht, denn wir werden nie alle ethnischen Gruppen unter einen Hut bekommen. Deshalb finde ich nichts dabei, sich mit den eigenen Landsleuten zu treffen und zu feiern. Die Kunst besteht darin, Anknüpfungspunkte für Gemeinsamkeiten zu finden, wie z.B. in der Vorbereitungsgruppe des Multikulti-Festes – das ist für mich gelebtes Miteinander. F: Ist das bisherige Multikulti-Modell also überholt? Betrand: Im Moment driften wir eher auseinander. Deswegen sind wir alle aufgefordert – die Migranten und die aufnehmende Gesellschaft –, etwas zu verändern. In den 90-er Jahren waren auch die Migranten offener und interessierter, jetzt ziehen sie sich zurück. Wir müssen die auseinander driftenden Teile wieder zusammen bringen, das geht nur mit viel Respekt vor dem Anderen und gegenseitiger Akzeptanz. Wir müssen den gemeinsamen Zug finden, in den wir alle hineinpassen.

Weitere Informationen bei:
EUROTÜRK Deutsch-Türkische Gesellschaft in der Euregio Rhein-Maas e.V.
Burghöhenweg 23 52080 Aachen
Tel.: 0241/1691044 Fax: 0241/1691045
E-Mail: info@EUROTUERK.com
Internet: www.EUROTUERK.com