F: Das klingt nach viel Arbeit. Was motiviert Sie persönlich, sich für ein friedliches Miteinander von Deutschen und Türken einzusetzen?
Bertrand: Vor Jahren fuhr ich mit meiner Frau im Urlaub mit dem Leihwagen durch die Türkei. Die Herzlichkeit dort hat mich begeistert, und nach einem Unfall ist man uns ganz uneigennützig entgegengekommen. Das wollte ich hier zurückgeben, deshalb bin ich seit 1995 dabei. Inzwischen habe ich gute Freunde in der Türkei und lerne Türkisch – die Grammatik ist nicht so schwer, nur mit den Vokabeln hapert es noch etwas. Außerdem ging es mir lange Jahre beruflich sehr gut, und da habe ich gedacht: Du hast Glück gehabt in der Gesellschaft, also gibst Du es auch zurück. Manchmal werde ich von Deutschen angefeindet, weil ich mich für Türken einsetze. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass der weitaus größere Teil der Gesellschaft auch so gestrickt ist wie ich, nämlich keine Angst vor dem Fremden hat und die Arme öffnet. Ich glaube daran, dass wir es in ein, zwei Generationen geschafft haben werden – in diesen Dimensionen müssen wir allerdings rechnen.
F: Wann haben Sie das Gefühl, dass Sie etwas erreicht haben, dass Integration funktioniert?
Bertrand: Wenn ich beispielsweise nachher an der RWTH den Ausbildungsvertrag für eine junge Deutschrussin unterzeichnet habe. Oder wenn ich dafür sorge, dass ein ausländisches Kind nicht auf die Sonderschule muss, nur weil es nicht richtig verstanden wurde. Es sind die kleinen Dinge, nicht die ganz großen Entwürfe.
F: Vor welchen Herausforderungen steht ein Integrationsverein in Aachen?
Bertrand: Einerseits muss man die Migranten immer wieder zum Erlernen der deutschen Sprache auffordern. Dabei kommt aber nicht in Frage, die kulturellen Wurzeln des Heimatlandes zu kappen – Assimilation ist ein Wort, das wir gar nicht in den Mund nehmen. Andererseits versuchen wir bei den Deutschen zu erreichen, dass sie das Herz öffnen. Das geht weniger gesamtgesellschaftlich als vielmehr individuell; wir als Einzelpersonen müssen uns öffnen. Da kann das persönliche Kennenlernen, die persönliche Freundschaft eine Möglichkeit sein. Ich finde es eigentlich unverständlich, dass das Zusammenleben von Deutschen und Türken so schlecht funktioniert, schließlich gibt es historische Verbindungen, und die Türken standen den Deutschen immer freundschaftlich gegenüber. Aber jetzt spüren sie die Ablehnung und igeln sich zunehmend ein – so entsteht die Parallelgesellschaft. Die Stadt Aachen hat ja gerade das Integrationskonzept auf den Weg gebracht. Wie jeder erste Ansatz ist es noch ausbaufähig, aber es ist eine Basis, auf der man weiter machen kann. Jetzt muss es in den Köpfen ankommen, das ist die nächste Herausforderung.