Wege zu einer erfolgreichen Integration von Einwanderern in die deutsche Gesellschaft sind nicht nur Diskussionsthema für Politiker. Auch zahlreiche Vereine und Organisationen haben sich seit Jahren ein friedliches Miteinander der Kulturen auf die Fahnen geschrieben. Reiner Bertrand, stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des Vereins EUROTÜRK, sprach mit AZ-Mitarbeiterin Eva-Maria Rüdiger über die Herausforderungen der Integrationsarbeit in Aachen.
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F: Worum geht es bei EUROTÜRK?
Bertrand: EUROTÜRK ist als politisch neutraler Verein aus dem konservativen Vorgänger Hür Türk entstanden. Der Name erinnert daran, dass Türken in Deutschland zwischen zwei Kulturkreisen leben, im europäischen Rahmen aber eine neue Identität finden können. Wir haben 200 zahlende Mitglieder, davon die Hälfte Deutsche, Niederländer und Belgier, die andere Hälfte Türken, und rund 2000 Interessenten und Sympathisanten. Diese Mischung aus Europäern und Türken, die sich auch im Vorstand widerspiegelt, ist das Besondere an unserem Verein. Stark macht uns aber auch die gesunde Mischung aus Ehrenamtlern und bezahlten Kräften, denn dadurch sind wir nicht so abhängig von öffentlichen Mitteln wie andere Vereine. Unser Ziel ist zu informieren, gegenseitiges Verständnis zu wecken und mit konkreten Projekten die Integration und die Zukunftschancen türkischer und ausländischer Mitbürger zu verbessern.
F: Wo und mit welchen Maßnahmen setzen Sie an?
Bertrand: Von Anfang an haben wir Vorträge zu Geschichte, Kultur und Politik angeboten. Außerdem setzen wir an unterschiedlichen Stellen des Lebenslaufs an. Das „Abla“-Projekt konzentriert sich auf den Kindergarten: Die „Ablas“ moderieren zwischen den Kulturen und leiten zum frühzeitigen Erlernen der deutschen Sprache an. Bei den älteren Kindern ist die schulische Situation oft so verfahren, dass der Weg ins gesellschaftliche Abseits vorprogrammiert scheint. Deshalb bieten wir mit „Pro Nachhilfe“ in Zusammenarbeit mit Schulen kostengünstige und vor allem weltanschaulich neutrale Nachhilfe an. Nach der Schulzeit stellt „Pro Ausbildung“ ausländischen Auszubildenden einen ehrenamtlichen Paten zur Seite, der bei Problemen hilft. Auf diese Weise haben wir die Abbruchquoten von 40 auf 9 Prozent gesenkt. Mit der Handwerkskammer zusammen unterstützen wir im Projekt Staregio Unternehmer mit ausländischem Hintergrund dabei, selbst Jugendliche auszubilden. „Pro Frauen“ hilft in Not geratenen ausländischen Frauen, und der Akademikerpool vermittelt arbeitslose Akademiker in Projekte in verschiedenen Ländern. Das alles sind Beispiele, unsere Aktivitäten reichen noch viel weiter.