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"Türkische Mitbürger fragen - Politiker antworten"

Bundesweit wächst die Zahl der türkisch-stämmigen Migranten, die inzwischen eine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Es gibt inzwischen 500 000 Türken mit einem deutschen Ausweis. Diese Zahl ist nicht mehr zu übersehen und damit wächst auch ihre Bedeutung im Wahlkampf. Gleichzeitig nimmt durch die Einbürgerung unter den Migranten in Deutschland das Interesse an der Politik zu. Die Wahlprogramme der Parteien werden inzwischen um den Aspekt der Migrationspolitik erweitert. Diese Migrationspolitik erhält für die eingebürgerten Migranten eine zentrale Bedeutung, da sie spezifischere Probleme haben als die Aufnahmegesellschaft.

Auf diesem Hintergrund lud der Verein EUROTÜRK, der im Bereich der Integration von Migranten arbeitet, am 15.09.02 die Kandidaten der etablierten Parteien in Aachen zu einer Wahlveranstaltung ein. Die Absicht des Vereins war, die Bundestagskandidaten der Parteien und die türkischstämmigen Bürger zusammenzubringen und ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen.

An der Diskussionsrunde haben die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Dieter Bischoff (CDU), Hans Dieter Schaffrath (FDP) und Helmut Ludwig (B 90/Grüne in Vertretung von Hilde Scheidt) teilgenommen. Die Diskussionsleitung hatte der Vorsitzende des Vereins EUROTÜRK, Herr Dr. Okan Akin. Die Fragen an die Politiker wurden von zwei Mitgliedern des Vereins, dem Geschichtswissenschaftler Necip Tokoglu und der Politologin Muazzez Yenice, gestellt. Zu den einzelnen Themen wurden auch Statements abgegeben.

Die wichtigsten Diskussionsthemen waren:
  • Die Definition des Begriffs "Integration"
  • Die doppelte Staatsbürgerschaft
  • Ergebnisse der Pisa-Studie und ihre Relevanz für die Migrantenkinder
  • Integrationsmaßnahmen und
  • Die Aufnahme der Türkei in die EU.

Es wurde mit der Definition des Begriffes "Integration" begonnen. Der Verein EUROTÜRK versteht unter Integration:

  • Gewährung gleicher Rechte und Chancen,
  • Gleichwertigkeit beider Kulturen,
  • Akzeptanz der Andersartigkeit und
  • Das Aufeinander-Zugehen und ein friedliches Miteinander,
so die Politologin Frau Yenice.
Alle Parteien können sich dieser Definition anschließen. Sinngemäß wurde von den Vertretern der Parteien vorgetragen, dass auch sie unter Integration nicht das Aufgeben der eigenen kulturellen Identität verstehen. Einig waren sich EUROTÜRK und die Kandidaten der Parteien, dass die Sprachkenntnisse außerordentlich wichtig, aber kein Garant für eine erfolgreiche Integration sind. Erhebliche Meinungsunterschiede gibt es zum Thema "doppelte Staatsbürgerschaft".
Hier sprach sich vor allem der CDU-Bundestagskandidat Dieter Bischoff gegen eine solche Lösung aus. Einig waren sich hingegen die Kandidaten der SPD, der B90/Grüne und der FDP zur doppelten Staatsbürgerschaft. Sie waren für die Beibehaltung der ersten Staatsbürgerschaft, da dadurch eine positive Ausgangssituation für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft geschaffen würde.

Von allen Kandidaten wird die Mitgliedschaft der Türkei in die Europäische Union unterstützt, unter der Voraussetzung, dass die Türkei alle Kriterien in den Bereichen der Wirtschafts-, Minderheiten- und Menschenrechtspolitik erfüllt.

Während der Veranstaltung wurde auch an die Opfer der Flutkatastrophe gedacht. Die Firma Kaiserbrunnen hatte kostenlos Getränke zur Verfügung gestellt und die Mitglieder des Vereins verkauften die Getränke gegen eine Spende. So kamen 100 € zusammen, die man der Aktion der Aachener Zeitungen zur Verfügung stellt.