Plädoyer für einen Verband Demokratisch-Europäischer Muslime

Dipl.-Ing. Eyüp Özgün

Ein Großteil der Probleme der Muslime und der muslimischen Länder ist darauf zurückzuführen, dass die ursprünglich fortschrittlichen Regeln des Islams eingefroren wurden und dadurch nicht mehr den sich ändernden gesellschaftlichen Realitäten gerecht werden können. Eine wahre Religion kann sich aber nicht erlauben, im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Wissenschaft zu sein.

Der Islam war zur Zeit seiner Bekanntmachung eine fortschrittliche und sozial gerechte Religion, er war auf der Höhe der damals bekannten Geistes- und technischen Wissenschaft.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung göttlicher Offenbarungen sind sowohl die Verwendung der Sprache von Beispielen und von Gleichnissen, die von der Bevölkerung ganz verstanden wird, als auch der Bezug auf die damals gültigen gesellschaftlichen Verhältnisse und Werte. Diesem Umstand wird im Koran Rechnung getragen. Um die Werte des Islams verstehen und richtig einordnen zu können, muss man sich mit den sozio-kulturellen Verhältnissen und Werten befassen, die bereits vor und während der Offenbarung des Korans gültig waren.

Der Prophet Muhammed SA und der Koran sind eine Bestätigung für die vorherigen Propheten und heiligen Bücher. So heißt es im Koran in Sure 5, Vers 48: „Dir (Muhammed) haben Wir das Buch (den Koran) mit der Wahrheit geschickt. Es bestätigt die davor offenbarten Schriften und bewahrt sie“. Aus diesem Vers geht hervor, dass die göttlichen Gebote fortwährend dieselben geblieben sind und dass sie sich nie geändert haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Regelungen, die durch die verschiedenen Propheten verändert oder neu eingeführt worden sind, lediglich lokal, zeitlich und sozio-kulturell angepasste Anwendungen der göttlichen Gebote sind. Deswegen haben auch die vom Propheten Muhammed SA verkündeten und im Koran erwähnten einzelnen Regelungen sowohl einen geographischen, als auch und einen sozio-kulturellen Bezug.

Folgerichtig sind sowohl der Koran als auch die praktischen Ausführungen im Islam nur mit einem raum-zeitlichen und sozio-kulturellen Bezug vernünftig darstellbar!!!

In diesem Sinne sollte der Koran als ein Beispiel verstanden werden, wie man unter veränderten Bedingungen vernünftige, gerechte und dem Wohle des Menschen dienliche Regelungen finden kann.

Hier zwei Beispiele für den raum-zeitlichen und sozio-kulturellen Bezug:

1. Ein Beispiel für den geographischen Bezug ist die konkrete Regelung des Fastens

In Sure 2, Vers 187 heißt es u. a.: „esst und trinkt, bis ihr das Licht der Morgendämmerung wahrnehmt und einen weißen Faden vom schwarzen unterscheidet! Von da an habt ihr bis zum Sonnenuntergang zu fasten“.

Diese ist eine sehr praktische Regelung, da es in der Region der Verkündung (in Saudi-Arabien) so gut wie keine Wolken gibt, der Tag und die Nacht gut von einander zu unterscheiden sind und diese eine nicht übermäßige Länge haben.

2. Ein Beispiel für den sozio-kulturellen Bezug ist das Kopftuch

In Sure 24, Vers 31 heißt es: "Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen (statt jemanden anzustarren, lieber) ihre Augen niederschlagen und sie sollen darauf achten, dass ihre Scham bedeckt ist (d.h. sie sollen ihre Scham bewahren). Sure 33, Vers 59 lautet: "Prophet! Sage Deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie aus dem Haus treten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunter ziehen. So ist am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden..."

Es ist offensichtlich ein Bekleidungskodex (eine Mode) bereits vorhanden. In dem o. g. Koranvers wird darauf Bezug genommen und diesbezüglich eine Empfehlung gegeben. Es wird hiermit kein neuer Bekleidungskodex eingeführt. Deswegen kann man daraus auf keinen Fall eine religiöse Pflicht zur Verschleierung ableiten.

Resümee

Der Islam ist eine vernunftorientierte Religion. Er möchte nicht, dass die Menschen unnötig eingeengt oder sinnlose Handlungen vollführen.

Als Muslime müssen wir mit Christen u. a. Religionsangehörigen langfristig friedlich und in einer vertrauensvollen Atmosphäre zusammen leben. Dies kann nur gelingen, wenn wir unsere Glaubensvorstellung von alten überkommenen Verkrustungen befreien. Hierbei kommt es aber insbesondere auf diejenigen an, die in der Lage sind, selbstständig zu denken und zu handeln.

Der Verband soll vor allem folgende Ziele haben:

l     In erster Linie das Denken der Muslime und den Islam aus der historisch dogmatischen Erstarrung wieder in eine fortschrittliche und tolerante Richtung zu lenken (so wie es ursprünglich war).

l     Schaffung eines mit der „Moderne“ kompatiblen Islams.

l     Die Schaffung eines Verbands für demokratische und vernunftorientierte Muslime.

l     Verbesserung des Images des Islam.

Jede/r Muslim/a, die/der sich für einen modernen, sozial gerechten, mit Wissenschaft konformen und Vernunft orientierten Islam einsetzen möchte, ist herzlich eingeladen mit zu wirken.

l     Alle Muslime zusammen unabhängig davon, ob der/die einzelne einen sunnitischen, schiitischen oder alevitischen Hintergrund hat, sind eingeladen, einen Islam zu etablieren, der sich mit den Fragestellungen unserer Zeit beschäftigt und nicht versucht, auswendig Gelerntes blind anzuwenden.

l     Konkret lade ich Sie dazu ein, bei der Gründung des Verbands Europäischer Muslime dabei zu sein.

 

 

Kontakt und weitere Infos:

Dipl.-Ing. Eyüp Özgün

Kasinostr. 94,

52066 Aachen

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