DMP Die virtuelle Deutsche-Migranten-Partei

&xnbsp; Minarett-Verbot ist europaweites Signal an die Muslime

von poletician shark | Kalkar  mal gelesen       Nachricht an Autor senden / Beitrag zum Artikel verfassen / Eigenen Artikel verfassen

 

Das Minarett-Verbot der Schweiz war vorhersehbar – und es wird nicht dabei bleiben.

Zum Glück waren es die Eidgenossen, die den ersten Schritt getan haben. Nicht wir Deutsche, Gott sei Dank. Es waren die, die schon immer ein eigensinniges Völkchen waren und nicht wie der Rest Europas sind. Ja, die Schweizer waren’s und nicht wir anderen – aber wir können es noch werden.

Knapp 58% der Schweizer haben sich für ein Verbot von Türmen auf den Dächern der islamischen Gotteshäuser ausgesprochen, lediglich vier Kanone in der Schweiz haben dagegen gestimmt. Zunächst einmal muss gesagt werden – eine Moschee muss kein Minarett haben. Sie muss auch kein Prachtbau sein. Sie muss nicht riesig sein. Der gläubige Muslim muss nur sein Gebet verrichten dürfen. Auch in der islamischen Szene selber tobt zwischen den verschiedenen Gruppen ein Streit um den Moscheenbau, denn es zählt für den guten Muslim nicht die Größe seiner Moschee, sondern was er drinnen lernt und praktizieren kann. Das haben sich wohl auch die Freikirchen schon länger auf die Fahne geschrieben, wenn man bedenkt, wie diese christliche Werte oft langfristig besser vermitteln als die großen Kirchen. Wenn man das auf die islamischen Vereine überträgt, sind die Salafisten die Freikirchen und die türkische DITIB die inhaltsleere, überzeugensschwache katholische und insbesondere evangelische Kirche, wenn man Arnulf Baring - übrigens kein Freund des Islams – zitieren darf. Seien wir Muslime doch mal ehrlich, es ist uns egal ob wir Minarette bauen dürfen oder nicht. Für unsere Praktizierung der Religion spielt es keine Rolle.

Wenn aber die rechts-konservative SVP, die schon oft wegen fremdenfeindlichen Statements in der Kritik stand, und eine rechtspopulistische Bewegung Bilder auf die Leinwand heften, wo aus einer Schweizer Flagge schwarze Minarette wie Raketen sich erheben und eine tief verschleierte Muslima im Niqab daneben im Bild erscheint, dann wirkt allein die Darstellung schon Angst einflößend. Tatsächlich muss man ein wenig an die Plakate zu „Der ewige Jude“ denken. Und seien wir in Europa doch mal ehrlich. Der schwarze Schleier der islamischen Frau war schon immer ein Symbol für Angst vor der orientalischen Welt, so denken wir seit den Kreuzzügen. Heute denken wir auch noch an die Unterdrückung der Frau. Wenn eine solche Vereinigung es schafft, dass 58% der Schweizer, die an der Abstimmung teilgenommen haben, sich dagegen aussprechen, dass in Zukunft Moscheen mit Minaretten in der Schweiz gebaut werden dürfen – von denen es übrigens nur vier gibt – dann muss man sich die Frage stellen, ob die Schweizer sich für Fremdenfeindlichkeit entscheiden. Von vorne rein gesagt – dazu haben sie sich mit ihrem Votum ausgesprochen. Der Schweiz deswegen einen Rechtsruck unterstellen - soweit sollte man nicht gehen. Es geht um Angst. Angst vor einer Störung des schweizerischen Landschaftsbildes. Das ist ein Zeichen gegen Multikulti in einer globalisierten Welt in der Kulturen verschmelzen. Es geht um Angst vor einem Aufkommen der Scharia, der Angst vor Kopftuchzwang, der Angst vor Terrorismus, der Angst vor Frauenbeschneidung. Aber Angst führt zu ablehnenden oder gar irrationalen Verhalten. Wenn die Schweizer glauben, dass künftig Terrorismus, möglicherweise auch Kopftuchzwang, Frauenbeschneidung und Scharia verhindert werden, indem man Minarette und repräsentative Moscheen verbietet, wie in ganz Europa es rechtspopulistische Bewegungen und gar manche Parteien fordern, geht das an der Realität vorbei. Die Diskussionen in der Schweiz um Kopftuchzwang und Frauenbeschneidung gehen noch mehr an der Realität vorbei, wenn man noch immer nicht mitbekommen hat, dass die Al-Azhar Universität in Kairo, die höchste Instanz des sunnitischen Islams, bereits vor zwei Jahren die in Afrika bei Muslimen wie Nichtmuslimen praktizierte Frauenbeschneidung mit Unterstützung der islamischen Länder verboten hat. Wenn dann über dieses Thema auch noch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Islam diskutiert wird, rassifiziert und vor allem stößt man die 360.000 Schweizer Muslime vor den Kopf, die überwiegend aus der Türkei und Bosnien stammen – Länder in denen die Frauenbeschneidung völlig unbekannt ist und es sich übrigens um laizistische Staaten und nicht um die „Gottesstaaten“ Iran und Saudi-Arabien handelt, um auf die Frage des politischen Islam einzugehen. Übrigens bezeichnen sich nur 50.000 gebürtige Muslime in der Schweiz als praktizierend. Wer in Islamisierungsdebatten das Aufkommen von Scharia und all den anderen Horrorvisionen als ein Phänomen darstellt, welches mit dem Bau offener, repräsentativer Moscheen und Minaretten entsteht, dann handelt es sich dabei um Panikmache vor Überfremdung und nicht Realität. Wenn sie es nicht glauben, erkundigen sie sich in welchen Moscheen zukünftige Terroristen sich radikalisierten und Anschläge planten. Wohl weniger in der großen offenen Moschee, als vielmehr im Hinterhof.

Doch genau das ist es ja: Im Hinterhof züchtet man die Terroristen von morgen heran und in der großen Moschee die Störungen für das Landschafts- oder Stadtbild. Und wir wollen ja unsere christlich-jüdische Kultur bewahren, da darf der Islam keinen Einzug drin erhalten, da kann auch ein Edmund Stoiber und ein Wolfgang Bosbach ein Lied von singen. Aber es geht an der Realität vorbei, angesichts der Tatsache von 1300 Jahren islamischer Geschichte in Europa. Erst in 800 Jahre in Spanien unter den Mauren, dann 500 Jahre auf dem Balkan unter den Türken. Und wenn sie heute Bosnien, Kosovo und Albanien nicht zu Europa zählen, liegen die wohl ganz versteckt in ´nem Nebelgebirge oder auf ´ner Insel jenseits von Italien. Und was von jüdischer Kultur noch großartig nach dem NS-Regime übrig geblieben ist, ist wohl tragischer Sarkasmus obendrein. Keiner will die Bedeutung der jüdischen Kultur in Europa bestreiten, aber ist sie für uns jeden Tag sichtbar? Leider Nein. Wir reden hier von christlicher Kultur, die wir bewahren wollen, notfalls in dem wir auf Angst setzen. Und sie funktioniert. Wenn Hinterhof und Minarett-Moschee beide keine Lösung sind, was machen wir? Weg, weg, weg damit! So forderte es auch schon die FPÖ-Politikerin Susanne Winter: „Der Islam gehört dorthin zurückgeworfen, wo er herkommt - hinter das Mittelmeer.“ Entfernen wir das Krebsgeschwür unserer Gesellschaft!

So offen muss man es nicht aussprechen und gewiss denken die Schweizer nicht so. Das Minarett-Verbot lässt solche eine Aussage nicht zu. Dafür ist es nicht radikal genug. Wenn aber in Österreich die rechte FPÖ, in der Schweiz die SVP, in den Niederlanden der Rechtspopulist Geert Wilders mit dem Angstthema Islam traumhafte Ergebnisse von 11, 29 und 16% bei Wahlen einfahren und Studien belegen, dass die Islamophobie europaweit massiv verbreitet ist, dann ist das mehr als ein Alarmsignal. Ganz klar, die islamische Welt hat sich seit dem 11. September nicht mit Ruhm bekleckert. Wenn aber die Gesinnung vorherrscht „die sind so die Muslime“ oder „die sind so, weil das Islam ist“, wenn man über Ehrenmorde, Zwangsheirat und Terrorismus spricht, und dadurch Menschen rassifiziert, ist das eine Gesinnung, die durch Schürung zu Rassismus werden kann. Und dabei muss man nicht einmal nach Rasse gehen. Bekanntlich waren die Juden Europas auch keine Semiten mehr. Die Schweizer haben nicht einmal den Anfang gemacht. Die antiislamische Politik oder Hetze ist seit Jahren durch einseitige Medienberichterstattung, insbesondere durch den Spiegel unter Stefan Aust, rassistische Propaganda durch rechte Bewegungen wie ProKöln, Pax Europa und PI-News in Deutschland verbreitet. Andere Bewegungen haben diese Gesinnung im Rest Europas aufgeschürt und insbesondere die Niederlande haben, seit Geert Wilders Krieg gegen den Islam, einen wirksamen Partisanen.

Was das Minarett-Verbot so schockierend macht ist nicht das Urteil, sondern die breite Zustimmung. Die SVP scheint direkt weiter munter antiislamischen Wahlkampf zu machen, wenn sie weitere Schritte gegen Zwangsheirat, Frauenbeschneidung und die Burka machen möchte. Alles keine schlechte Idee, wäre nur nicht das Problem, dass sich der Schweiz diese Probleme wohl kaum stellen. Wie viele Fälle von Burkaträgerinnen gibt es in der Schweiz? Roland Koch kam schon bei Hart-aber-fair in Verlegenheit, als er zugeben musste, dass man in Hessen die Burka in Schulen verbieten wollte, es in Hessens Schulen nur leider nie eine Burkaträgerin gab. Es geht hier nicht um Gefahr, sondern Angst.

Und Sorgen müssen sich nicht nur die Muslime selber machen. Die respektieren zwar das Urteil, aber dürfen sich jetzt mehr denn je diskriminiert fühlen. Vor allem weil 50.000 zum Islam konvertierte Schweizer die Gesinnung ihrer Eidgenossen fühlen durften. Doch es sind auch diejenigen unter den Schweizern, die gegen das Verbot gestimmt haben. Der Grünen-Präsident Ueli Leunenberger spricht von einem „Faustschlag ins Gesicht der Muslime“, der Schweizerische Evanglische Kirchenbund ist der Ansicht, dass das Verbot Probleme nicht lösen, sondern vielmehr schaffen, wird. In Deutschland sind die Reaktionen genauso. Während PI-News, Pax Europa und Gruene-Pest ordentlich feiern – PI-News krönte das Werbeplakat der Initiative für das Verbot sogar mit Feuerwerksfarben, sind die Zeitungen, sei es RP, WELT oder ZEIT, voller Bestürzung. Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur sagte wörtlich: "Wenn diese Initiative eine Dynamik in anderen europäischen Ländern auslösen sollte - und die Gefahr besteht -, dann werden die Muslime am Ende in Europa keinen Platz mehr haben". Zum ersten Mal spricht sie dadurch so klare Worte wie der populistische Islamprediger Pierre Vogel, der seit dem rassistisch motivierten Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini seine Zukunftsvision von einem Deutschland, in dem Muslime auf offener Straße ermordet werden, offener denn je sagt. Marwa El-Sherbinis Tod lieferte den Beweis wie tief antiislamische Vorurteile und Rassismus bereits in die Gesellschaft eingedrungen sind. Es war nicht ein Einzelfall, wie Vogel sagt. Es war der erste Fall. Wenn wir dies auf die Niederlande ausweiten, in der 60% der Bevölkerung es für einen Fehler halten die Muslime ins Land geholt zu haben, haben wir auch den zweite Fall, als im August eine türkische Geschäftsfrau auf offener Straße erstochen wurde, als sie zu ihrem Auto wollte. Seit Marwa El-Sherbinis Tod sind nicht nur die deutschen Muslime in einem traumatischen Zustand, in dem sie genauso besorgt sind wie wohl viele Schweizer, die für das Minarett-Verbot gestimmt haben. Der Unterschied ist nur: Sie haben wirklich Grund Angst zu haben, vor dem was schon passiert ist und wohl noch passieren wird.

 

Nachricht an Autor senden

Beitrag zum Artikel verfassen

--> Eigenen Artikel verfassen

-->